Opaline d’Atout nutzt Bazireschen Kleinkrieg / Priscilla Blue in der Cornulier-Revanche
(nn) Vincennes, Sonntag, 7. Februar 2010. Am Samstag stand der gerade erst drei Jahre alt gewordene Nachwuchs in zwei Gruppe-Rennen auf dem Prüfstand, am heutigen, 5° warmen Sonntag ging’s für die Altgedienten in Fahren und Reiten um ebenfalls nicht unerhebliche Meriten. In beiden Fällen hatten die Favoriten dabei nur bis zu Beginn der Distanz etwas zu lachen, was insbesondere im Prix de la Marne zu einem völlig unerwarteten Ausgang führte. Die Marne, ein Nebenfluss der Seine im Osten von Paris, hat insbesondere durch zwei enorm verlustreiche Schlachten im ersten Weltkrieg traurige Berühmtheit erlangt, und auch wenn es heute auf dem Plateau de Gravelles zum Glück nicht so martialisch zuging wie in den Jahren 1914 und 1918, so war der Grabenkrieg, den Jean-Michel Bazire mit Quinoa du Gers gegen die Blandin-Armee Nélumbo/Obélo Darche anzettelte, alles andere als ein Sonntagnachmittagausflug. Kaum hatte sich Frankreichs Champion mit seinem Eleven an Opaline d’Atout vorbei die Spitze gesichert, als Bernard Piton mit Obélo Darche gewaltig auf die Tube drückte. 15 Meter vor dem Feld dachte Bazire gar nicht daran, die eben erst eroberte Pole Position abzutreten, woraufhin sich der kurz rumpelnde Angreifer erst einmal in die Weiten des Hintertreffens zurückzog, nur um seinem Trainingskameraden Nélumbo das Angriffsfeld zu überlassen. Hinter diesem hatte die spurtgewaltige Fitzgerald Bigi ein optimales Plätzchen gefunden, als an der letzten Ecke der letzte Akt des Bazire-Blandinschen Scharmützels erfolgte: Nicht ganz unerwartet warf der arg strapazierte Quinoa du Gers das Gebiss weg und war im Nu in der Luft, wich dabei nach außen und kam dadurch Nélumbo kurz, jedoch entscheidend in die Quere. Andrea Guzzinati hatte den Braten offensichtlich frühzeitig gerochen und war mit Fitzgerald Bigi bereits in die dritte Spur gekreuzt, doch blieb die italienische Signorina mit ihrem Angriffsschwung regelrecht stecken. Sehr viel mehr Punch hatte ihre französische Altersgefährtin Opaline d’Atout auf Lager, mit der sich Franck Nivard nicht zweimal in die von Bazire freigesperrte scheunentorweite Lücke an der inneren Abgrenzung bitten ließ. Im Nu war die schlanke Füchsin mit der schmalen Blesse „up, up and away“ und auch von Punch de Chenu nicht mehr zu packen, der von hinten einfach zu viele Umwege nehmen musste. Unglücksrabe Nélumbo, dessen Disqualifikation per „enquête“ am seidenen Faden hing, rappelte sich nach dem unfreiwilligen Zwischenstopp wieder auf und hielt Platz drei vor Fitzgerald Bigi, von der man nach diesem „Sahne-Rennen“ doch mehr Pfeffer in der Entscheidung erwartet hätte. „Fabrice (Souloy) hat mich extra darauf hingewiesen, dass Opaline in toller Form sei. Die Stute hat unsere Erwartungen nach dem perfekten Rennen an der Innenkante voll erfüllt, auch wenn zugegebenermaßen viel Glück im Spiel war, dass Bazire die Innenspur genau zur rechten Zeit geräumt hat“, lachte sich Frankie-Boy Nivard ins Fäustchen.
Prix de la Marne (Gruppe II int., Vier- bis Zehnj. bis 730.000 Euro, die im Prix d’Amérique nicht 1., 2., 3. waren)
2700m Bänderstart o.Z., 110.000 Euro
1.         Opaline d´Atout         13,3     Franck Nivard            200
            8j. Fuchsstute von Coktail Jet a.d. Géline d’Atout von And Arifant
            Be: Jaana Lönnström; Zü: SCEA du Beaumanoir; Tr: Fabrice Souloy
2.         Punch de Chenu         13,5     Eric Raffin      290
3.         Nélumbo         13,6     Franck Blandin           28
4.         Fitzgerald Bigi           13,7     Andrea Guzzinati       240
5.         Obélo Darche 14,1     Bernard Piton 120
6.         Fabrice Axe    14,2     Ludovic Mollard        1130
7.         Oyola 14,6     Michel Lenoir 390
            Nil       dis.r.    Matthieu Abrivard     120
            Quinoa du Gers          dis.r.    Jean-Michel Bazire     25
            Nuit Torride    dis.r.    Guillaume Gillot         780
            Océano Nox   dis.r.    Pierre Levesque          120
Sieg: 200; Richter: leicht 3 - 2 - 1 - k.Kopf; 11 liefen
Wert: 55.000 - 27.500 - 14.300 - 6.600 - 3.300 - 2.200 - 1.100 Euro
 
Bis zum Meeting 2008/09 als letzte wichtige Sattelprüfung vor dem Cornulier entschieden, hatten Vincennes Macher den Prix de l’Île de France um 50.000 Euro zu einer Gruppe-I-Prüfung aufgepäppelt und anstelle des Prix du Calvados, der nunmehr den Rang des letzten Vorbereitungs-Montés eingenommen hatte, als Revanche zum wertvollsten Satteltraben der Welt erkoren. An dem nahm One du Rib nicht teil, der nach seinem ebenfalls barfuß absolvierten Amérique-Start von Trainer Joël Hallais erst eimal eine Hufwachstumspause verschrieben bekommen hat. So sprach im Gunde alles für die vor vierzehn Tagen mit ihrem kapitalen Endspur ein wenig zu spät gekommene Paola de Lou, die es jedoch trotz eines lange Zeit verdeckten Rennens wieder nicht schaffte, auf der nicht übermäßig schnell absolvierten 2175m-Sprintdistanz ihre Kapazitäten auszuspielen. Blitzstarter Ismos FP, einziger Ausländer in einem Feld, das trotz üppigster Dotierung nur acht Bewerber versammelte, überließ eingangs der ersten Kurve Priscilla Blue das Kommando, die sich bergauf von Plenty Pocket Windschatten spendieren ließ und im Einlauf innen entlang genau jene Pasaage fand, die ihr den letztlich sicher erkämpften ½-Länge-Sieg sicherte. Erst hinter dem hart innen durchziehenden Ismos FP, der auch bei seinem zweiten Satteleinsatz in jeder Phase überzeugte und die Ehre des starken Geschlechts rettete, holte sich Paola de Lou die vierte Prämie, wobei sie ihren ständigen Schatten Malakite locker abschüttelte. Für den 23 Jahre jungen Louis Baudron, der den Île de France 2006 mit Gert Lannoos Jasoda gewonnen hatte, inzwischen aber nur noch im Sulky sitzt, war’s der zweite Gruppe-I-Sieg seiner fünfjährigen Amtszeit als Trainer und der Schlusspunkt unter ein goldenes Wochenende, nachdem er tags zuvor Texas Style eigenhändig im Rennwagen zum Sieg chauffiert hatte. Gewonnen hat der Enkel von Roger Baudron und Jean-Pierre Dubois als Trainer nun bereits 187 Rennen, darunter zwei der Gruppe I und vier der zweiten Kategorie. Unerreichbar blieb beim unterwegs verhaltenen Tempo, das erst auf den letzten 500 Metern mit 1:10,0 eines solchen hochpreisigen Vergleichs würdig war, der Rennrekord, den gemeinsam Nouba Turgot/Eric Raffin (2009) und HotTub/Philippe Masschaele (2008) mit 1:11,3 halten.
Louis Baudron: „Priscilla ist sicher keine der ganz großen Championessen, aber eine Stute mit unheimlich viel Herz und Mut. Der Sieg freut mich aus einem ganz besonderen Grund - schließlich ist sie von meiner Mutter gezüchtet worden!“ Eric Raffin, der zumindest als Zweibeiner den im Vorjahr mit Nouba Turgot eroberten Titel verteidigte: „Schon im Cornulier (IV.) hat sie keinesfalls enttäuscht und heute den enormen Vorteil gehabt, dass sie streng innen jeden Meter sparen konnte. Ein perfekteres ‚Wunschrennen’ gibt’s wohl nicht.“
Prix de l’Île de France - Monté - (Gruppe I int., fünf- bis zehnj. Hengste und Stuten)
2175m Bänderstart o.Z., 200.000 Euro
1.         Priscilla Blue   12,9     Eric Raffin      60
            7j.br. Stute von Extreme Dream a.d. Ivilla Blue von Buvetier d’Aunou
            Be/Tr: Louis Baudron; Zü: Véronique Dubois & Michel Donio
2.         Plenty Pocket 13,0     Pierre-Yves Verva      98
3.         Ismos FP         13,1     Franck Nivard            100
4.         Paola de Lou 13,1     Nathalie Henry           19
5.         Malakite          13,3     Céline Leclercq          48
6.         Quokine Berry            13,4     Ludovic Mollard        230
7.         Prince de Montfort     13,5     Antoine Wiels 380
8.         Nana du Las Vegas    13,6     Mathieu Mottier         670
Sieg: 60; Richter: sicher ½ - 1 - 1 - 2½ Längen; 8 liefen
Wert: 100.000 - 50.000 - 26.000 - 12.000 - 6.000 - 4.000 - 2.000 Euro